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Für kranke Kinder dem Regen getrotzt: 143 Radfahrer sammeln über 560.000 Euro

ALZEY/WÖRRSTADT – Uhrzeit: 14.12 Uhr. Ort: Neunröhrenplatz Wörrstadt. Ein paar Besucher tummeln sich schon zwischen Getränkeständen und Brauereibänken. Bei genauem Hinhören liegt ein leises Surren in der Luft, Blaulichter kündigen sie an: 143 Sportler, Politiker, Ärzte, Manager und engagierte Bürger, die auf Fahrrädern über die Straße rollen. Die Vor-Tour der Hoffnung ist angekommen.

Wie ein gleichmäßig fließender Fluss biegen die Radfahrer um die Kurve und parken ihre Zweiräder an den alten Mauern. Mit einem Mal ist der Neunröhrenplatz voller Leben. Die Kinder der Kita Wörrstadt begrüßen die Gruppe mit einem selbstgebastelten Schild. Obstbecher und isotonische Getränke stehen zur Stärkung bereit.

Für die Radler heißt es: Halbzeit – von den insgesamt 103 Kilometern Fahrstrecke wurden bereits 50,5 zurückgelegt. Um 8.15 Uhr am Morgen sind sie für den guten Zweck in Bingen aufgebrochen. Vor ihrer Ankunft in Wörrstadt haben sie bereits Zwischenstopps in Bingen-Gaulsheim, Ingelheim, Appenheim, Essenheim und Jugenheim eingelegt.

Arm in Arm zu Livemusik getanzt

In einem kleinen Sparschwein werden auf dem Platz Spenden von den Besuchern gesammelt – alle zugunsten krebskranker und hilfsbedürftiger Kinder. Denn das ist das Ziel der „Vor-Tour der Hoffnung“. Sänger Chris Bennett stimmt mit den Kleinen auf der Bühne das Lied „Für alle Kinder dieser Welt“ an, und auch die Erwachsenen singen kräftig mit.

Nach einer üppigen Spendenübergabe mit Beträgen von bis zu 11 500 Euro und einigen persönlichen Geschichten der Teilnehmer brechen die Radfahrer bei Nieselregen auf in Richtung Alzey.

15.15 Uhr: Gleiches Szenario, anderer Schauplatz. Erneut radeln Sportler, Politiker, Ärzte und Manager über die imaginäre Ziellinie, diesmal auf dem Obermarkt in Alzey. Erneut meint das Wetter es wenig gut mit den „Hoffnungsradlern“, wie der Initiator der Vor-Tour Jürgen Grünwald sie nennt. Einige Besucher haben sich dennoch auf dem Platz zusammengefunden, der mit Hüpfburg, Infoständen und Leckereien ein buntes Rahmenprogramm bietet.

Und auch die Radfahrer lassen sich vom Regen nicht die Laune verderben. Arm in Arm tanzen und schunkeln sie zu den Liedern von Chris Bennett. Denn die vielen Spenden, die auch in Alzey übergeben werden, bringen allemal Grund zur Freude. „Ich bin froh, dass so viele Olympiasieger, Welt- und Europameister hier dabei sind“, ist Grünwald dankbar.

16 Uhr: Alle Besucher und Radler schauen in den Himmel, als der ehemalige Weltmeister am Reck, Eberhard Gienger, aus einem Flugzeug springt und seinen Fallschirm zieht. Doch die Landung läuft nicht wie geplant: Starker Wind macht ihm zu schaffen, er schaut zu spät auf seine Messgeräte. Statt auf dem Obermarkt landet Gienger in einem Vorgarten am Ortsrand – Sicherheit geht vor. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass so viel Wind ist“, gesteht er später. Der guten Stimmung in Alzey tut das jedoch keinen Abbruch, trotz der Anstrengung, die die Teilnehmer hinter sich haben.

Am Ende der Tour sind sie drei Tage lang für den guten Zweck unterwegs gewesen und haben dabei über 260 Kilometer auf bis zu 2000 Höhenmetern zurück gelegt. Dreh- und Angelpunkt der Tour war das NH Hotel in Bingen. Hier sind die Radfahrer am Sonntag, 30. Juli, mit 48,6 Kilometern die kleinste Tour über Langenlonsheim und Waldalgesheim gestartet. Am Montag, 31. Juli, folgte darauf mit 118,6 Kilometern und fast sechs Stunden Fahrzeit die längste Tour, die durch den Hunsrück führt.

Hintergrund der Aktion ist die 1983 von Prof. Dr. Fritz Lampert ins Leben gerufene „Tour Peiper“, in der Spenden für krebs- und leukämiekranke Kinder gesammelt wurden. Seither starten in jedem Jahr zahlreiche Sportler, Politiker, Ärzte und engagierte Bürger von Gießen aus auf verschiedenste Touren. Unter anderem haben die schon nach Hamburg, Ulm, Frankfurt, Minsk oder Linz geführt. Seit 1994 wird die „Tour Peiper“ als „Tour der Hoffnung“ fortgeführt.

Im Jahr 1996 entschied sich Jürgen Grünwald, der damalige Verkehrsdirektor von Bad Neuenahr-Ahrweiler, mit seinem Freund Gregor Waldorf nach Gießen zu fahren, und dort einen „Startscheck“ von 4500 D-Mark zu übergeben. Aus der gemeinnützigen Vor-Tour zu zweit wurde eine der größten Benefiz-Radtouren in Deutschland, die jedes Jahr vor der „Tour der Hoffnung“ eine große finanzielle Unterstützung generiert.

In diesem Jahr dürfen sich die Teilnehmer wohl über einen Rekorderlös freuen. 560 000 Euro wurden bis zum Stopp in Alzey an Spenden gesammelt – fast 130 000 Euro mehr als 2016. Kein Wunder, dass sich die Teilnehmer da voller Elan auf den Sattel schwingen und ihre Weiterfahrt nach Gensingen starten, bis sie danach schließlich nach Bingen zurückkehren.

Drei Tage Schweiß, Sport, Spenden haben sich bei diesem Ergebnis sicherlich allemal gelohnt.

Quelle: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/alzey/vg-woerrstadt/woerrstadt/fuer-kranke-kinder-dem-regen-getrotzt-143-radfahrer-sammeln-ueber-560000-euro_18080293.htm