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Zugunsten krebskranker Kinder im Land: VOR-TOUR der Hoffnung erradelt Rekordsumme

Mit der Rekordspendensumme von 592.731 Euro hat die Benefiz-Radtour VOR-TOUR der Hoffnung in diesem Jahr ein stolzes Ergebnis eingefahren. Zum 22. Mal war das rund 130 Teilnehmer starke Feld mit dem Rennrad unterwegs in der Region – für die Region. Prominente aus Sport, Politik, Medien und Unternehmen helfen ehrenamtlich dabei, krebskranke und bedürftige Kinder zu unterstützen.

Nutznießer sind Vereine und Organisationen, Elternkreise und Initiativen, die alle das gemeinsame Ziel verfolgen, Geld einzusammeln, um erkrankten Kindern und deren Familien in ihrer schweren Situation das Leben ein wenig zu erleichtern. Wichtig ist den Teilnehmern und Helfern um Cheforganisator Jürgen Grünwald aus Waldbreitbach, dass die gesammelten Spenden unmittelbar in die Region fließen – ein Aspekt, der den Erfolg der beispiellosen Spendenaktion begründet.

Und das gelingt in jedem Jahr erfolgreicher. Die große Übergabe der einzelnen Spendenschecks fand im Mainzer Landtag statt. Landtagspräsident Hendrik Hering, der selbst bei der Vortour gern in die Pedale tritt, sprach von einer „großen Familie“, die die Aktion letztendlich zum Erfolg führt.

Mehr als nur Medikamente

„Wir brauchen nicht nur die beste Diagnostik und Medikamente, sondern auch die Fürsorge für die betroffenen Kinder und deren Familien“, sagte Hering. Einzelne Politiker des Landtags hätten durch ihre aktive Teilnahme mittlerweile einen starken Bezug zu der Benefiz-Radtour. „Diese beispielhafte Aktion steht für die Menschlichkeit im Land“, sagte der Landtagspräsident.

Prominente Sportler übergaben Spendenschecks in Höhe von 5000 bis 21.500 Euro unter anderem an Hospizvereine, Elternvereine, die Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz und Kliniken in der Region. Das eingesammelte Geld steht allerdings nur in dieser Höhe zur Verfügung, weil die VOR-TOUR der Hoffnung auch neben ihrer Benefiztour im Sommer ständig im Einsatz ist. Dass der Erlös einer Dorfkirmes oder eines Landfrauenbasars für einen guten Zweck gespendet wird, ist nichts Neues. Mehr als 50 begleitende Aktionen übers Jahr, so Jürgen Grünwald, sorgen allerdings dafür, dass solche Spenden immer häufiger den Weg in den großen Topf der Hoffnungsradler fließen. So sind die sogenannten Kümmerer der Vortour ständig unterwegs, organisieren Wohltätigkeitskonzerte, Infostände bei Märkten in der Region, die Radler rollen bei Tal total in Grün durchs Rheintal, und so manche andere Aktion wird mit viel ehrenamtlicher Hilfe auf die Beine gestellt. Und die spendenfreudigen Menschen in Rheinland-Pfalz unterstützen dieses Engagement, denn sie wissen, dass ihr Geld da ankommt, wo es gebraucht wird.

Wie vielfältig die Aktivitäten der einzelnen Gruppen bei der Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder und deren Eltern sind – und wie wenige Leistungen durch öffentliche Gelder abgedeckt sind – offenbarte die Feier im Mainzer Landtag. Erika Görhard, die zusammen mit Rudi Kappes 5000 Euro für den Hospizverein Simmern mit nach Hause nehmen durfte, brachte es auf den Punkt: „Es gibt so viele Leistungen, die nicht abgedeckt sind.“ Das hatte Hendrik Hering mit „Fürsorge für die betroffenen Kinder und deren Familien“ gemeint. Die medizinisch notwendigen Dinge sind durch das Gesundheitssystem abgedeckt. Alle weiteren notwendigen Leistungen nicht. Das geht sogar so weit, dass ein Oberarzt der Kinderklinik Kemperhof für wichtige Nachsorgeuntersuchungen ein modernes Ultraschallgerät anschaffen will – was nun durch den Empfang eines Spendenschecks über 15.000 Euro erleichtert wird.

In Hennweiler unterstützt der Förderverein Lützelsoon seit Jahren notleidende Kinder und deren Familien. Der bereits 80 Jahre alte Herbert Wirzius und seine Frau Ingrid bauen Wohnungen für kranke Kinder und deren Familien, damit diese auch einmal Abstand vom Klinikalltag nehmen können. 30.000 Euro Vortour-Geld sind dafür eine willkommene Hilfe.

Die VOR-TOUR unterstützt übrigens nicht nur krebskranke Kinder. Sie Hilfsorganisation übergab an die Waldjugendherberge in Sargenroth in diesem Jahr einen Scheck über 18.000 Euro. Mit dem Geld gelingt es, die nächste Jugendfreizeit für Brennpunktkinder aus Rheinland-Pfalz zu finanzieren. Diese Kinder sind oftmals häuslicher Gewalt ausgesetzt, kennen keinen normalen Tagesablauf oder wurden Opfer sexuellen Missbrauchs. Holger Falk, der Projektleiter, erinnerte an die ehemalige Umweltministerin Klaudia Martini, die seinerzeit die Waldjugendherberge ins Leben gerufen hatte. Und an den verstorbenen ehemaligen Landtagspräsidenten Joachim Mertes, der in Sargenroth häufig zu Gast war und Unterstützung bot, wo es möglich war. „Wir bieten den Kindern Kleidung, Unterricht, gehen mit ihnen in die Natur, gewöhnen sie an regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten und bringen ihnen sogar das Schwimmen bei, weil die Eltern der Kinder sich keine teuren Schwimmkurse leisten können“, berichtete Falk.

Keine kleine Schwester mehr

Ein großer Teil des VOR-TOUR-Geldes fließt übrigens in die Forschung. Dies geschieht entweder direkt durch Spenden an entsprechende Institute und Kliniken oder über den Umweg der Tour der Hoffnung. Diese ist eigentlich das Original, wie Schirmherrin Petra Behle erklärte.

Die Haupttour ist seit vielen Jahren in ganz Deutschland mit dem Rennrad unterwegs und macht nichts anderes als die VOR-TOUR der Hoffnung. „Jürgen, Du hast uns damals kennengelernt und die Idee einfach kopiert, was aber überhaupt nicht negativ gemeint ist, denn mittlerweile ist die VOR-TOUR der Hoffnung keine kleine Schwester der Tour der Hoffnung mehr, angesichts der Summe, die Ihr jedes Jahr zusammenbringt“, sagte Behle. Jürgen Grünwald und sein Team hätten der rheinland-pfälzischen Ausgabe der Benefiz-Radtour ihre ganz persönliche Note aufgedrückt: „Du vermittelst den Teilnehmern, dass es auch ihre Sache ist“, lobte Behle.

Von der erradelten Spendensumme der VOR-TOUR fließen 333.231 Euro direkt an die Tour der Hoffnung, die ihren Sitz in Gießen hat. Von dort werden die Unterstützung von Forschung und weitere Hilfen zentral gesteuert. Der Differenzbetrag zu den erradelten 592.731 Euro kam nun in Mainz zur Ausschüttung direkt an die verschiedenen Organisationen.

Umrahmt wurde die Spendenübergabe von Bajazzo, dem Jazz-Ensemble der Kreismusikschule Rhein-Hunsrück.

Foto: Werne Dupius

Quelle: Rhein-Zeitung/ Redaktionsleiter Thomas Torkler

Kommentar zum Erfolg der Vortour der Hoffnung: Menschlichkeit bewahren und weitergeben

Es geht uns doch eigentlich ganz gut. Diese Feststellung ist oftmals Auslöser für ehrenamtliches Engagement und Spendenbereitschaft – gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, in der Besinnlichkeit groß geschrieben wird.

Man erinnert sich im Zuge des bevorstehenden Festes der Liebe daran, dass es anderen Menschen nicht so gut geht. Die viel gescholtene Kommerzialisierung des christlichen Festes hat eben auch sein Gutes. Nein, es ist hier nicht der Umsatz gemeint, den die Gewerbetreibenden in der Vorweihnachtszeit machen, sondern der „Umsatz“ der Engagierten, der Hilfsorganisationen, der Ehrenamtlichen, die, wie Landtagspräsident Hendrik Hering es bei der Spendenübergabe der VORTOUR der Hoffnung im Mainzer Landtag formulierte, ein Beispiel geben „für die Menschlichkeit im Land“.

Es ist gut, dass immer noch die große Mehrzahl der Bevölkerung sich daran erinnert, wie komfortabel doch die Menschen in unserem Land und in der gesamten sogenannten westlichen Welt ihr Leben gestalten können. Und diese Menschen wollen ihr Glück in Zeiten wie vor Weihnachten mit anderen teilen. Andere, die nicht so viel besitzen, denen es nicht so gut geht, die durch Krankheit, Krieg oder Schicksalsschläge aus dem Gleichgewicht gebracht wurden, erfahren in dieser Zeit Hilfe von jenen, denen es besser geht.

So funktioniert unser Gemeinwesen und nicht indem man auf die Straße geht und dumpfe Parolen nachgrölt, mit denen selbstsüchtige und selbstherrliche Ewiggestrige meinen, Staat machen zu müssen. Hirnlose Schlachtrufe anzustimmen, mag Aggressionen abbauen, eine Wirkung erzielt wird damit nicht. Auch nicht, wenn man meint, aus Protest Parteien wählen zu müssen, um den Etablierten vermeintlich notwendige Denkzettel zu verpassen.

Wie man eher etwas für unsere Gesellschaft bewirken kann, verdeutlicht eine Spendenaktion wie die Vortour der Hoffnung. Hier kann man wirklich von beispielhaftem Engagement sprechen, das sehr viel bewirkt. Und in gewissem Sinn legt dieses Engagement auch politisch den Finger in die Wunde, ganz ohne Geschrei. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ein Oberarzt der Kinderklinik Kemperhof in Koblenz auf Spenden angewiesen ist, wenn er ein modernes Ultraschallgerät für die Nachsorgeuntersuchungen von Kindern nach einer Krebsbehandlung anschaffen möchte? Er wird das Geld zusammenkratzen, auch mit Hilfe der 15.000 Euro aus dem Vortour-Topf. Es ist gut zu wissen, dass es uns eigentlich ganz gut geht.

E-Mail an den Autor: thomas.torkler@rhein-zeitung.net